Song: „Loaded“ – Primal Scream (1990)
Die Bilder sind im Kasten, der Film ist zurückgespult – und jetzt? Bevor überhaupt ein Tropfen Chemie ins Spiel kommt, steht die erste echte Mutprobe an: den Film im Stockdunkeln auf die Spirale fädeln und in der Dose verstauen. Hier trennt sich die Spreu vom Weizen. Oder, ehrlicher gesagt: hier habe ich anfangs den ein oder anderen Film geschrottet.

Blindflug – warum es zappenduster sein muss
Solange der unentwickelte Film noch lichtempfindlich ist, gilt: kein Funken Licht, nirgends. Kein „nur kurz die Tür einen Spalt“. Wer das Glück eines abgedunkelten Raumes hat (wie er bei mir in Paint It Black entstanden ist), kann dort einspulen. Alle anderen greifen zum Wechselsack* – einem doppelwandigen, lichtdichten Stoffsack mit zwei Ärmelöffnungen, in den man Dose, Spirale und Film hineinpackt und dann blind hantiert. Klingt nach Zaubertrick, ist aber reine Übungssache.
Die Ausrüstung – mehr als nur eine Dose

Was rein muss: die Entwicklungsdose, die passende Spirale, eine Schere zum Abrunden der Filmlasche und – ganz wichtig – ein Filmrückholer*, falls die Lasche schon komplett in der Patrone verschwunden ist. Für einen schmalen Taler erspart der einem das Aufbrechen der Patrone im Dunkeln. Ich arbeite seit Jahren mit den Tanks der Jobo-1500er-Serie, konkret der Jobo 1510* (für einen Kleinbildfilm) und der Jobo 1520* (für zwei Kleinbild- oder einen Rollfilm). Beide sind tageslichtdicht befüllbar und lassen sich später sogar auf einer Drehbasis nutzen – aber das ist eine Geschichte für ein andermal.
Spiralen-Yoga – Plastik gegen Edelstahl
Und dann die Glaubensfrage: Plastik- oder Edelstahlspirale? Die Plastikvarianten – und dazu gehören auch die Jobo-2502-Spiralen*, die in meinen Tanks stecken – arbeiten mit einer Einfädelmechanik: Man schiebt den Filmanfang ein und „walzt“ den Rest durch leichtes Hin- und Herdrehen der beiden Hälften hinein. Geht intuitiv, hakt aber gnadenlos, wenn die Spirale auch nur minimal feucht ist – also vor jedem Gebrauch gut durchtrocknen lassen. Die Edelstahl-Fraktion* wiederum wickelt von innen nach außen auf – das will gelernt sein, läuft dann aber wie Butter und trocknet im Nu. Beim Jobo-System ist die Wahl ohnehin vorgegeben; ansonsten gilt wie so oft: Geschmackssache.

Übung macht den Meister – trockenlaufen
Mein dringender Rat, bevor ihr einen wertvollen Film opfert: Schnappt euch einen alten, bereits belichteten Übungsfilm (gibt es spottbillig in den Kleinanzeigen, schaut auch gern mal in meine, siehe Classifieds) und übt das Einspulen erst bei Licht, dann mit geschlossenen Augen, dann im Sack. Wenn die Finger den Ablauf können, ist die eigentliche Dunkel-Aktion in zwei Minuten erledigt – statt in zwanzig schweißtreibenden, fluchenden Minuten.
Ist der Film erst sicher in der Dose, kann man den Rest übrigens entspannt bei Licht machen. Aber das ist eine andere Geschichte – und die braucht vor allem eins: Patience (folgt). Auf gehts!
